Die französischen Soldaten stiessen in der Schweiz nur auf mässigen Widerstand. So auch in Fraubrunnen.
Schweizerisches Nationalmuseum

Innerer Widerstand

Ende des 18. Jahrhunderts überrollten Napoleons Soldaten die Schweiz. Der eidgenössische Widerstand gegen die Franzosen war eher gering. Besonders hartnäckigen wehrten sich die Nidwaldner.

Neun Jahre waren vergangen, seit in Paris die Bastille gestürmt und die Monarchie gestürzt worden war. Neun Jahre, in denen Europa gebannt auf Frankreich geblickt hatte. Ungläubig und bestürzt hatte man auch in der Schweiz die Berichte der Hinrichtung von Louis XVI. gelesen, die Nachrichten der Schreckensherrschaft der Jakobiner wahrgenommen und den Aufstieg Napoleons zum ersten Konsul der Republik mitverfolgt. Der Korse hatte sich bereits Norditalien unter den Nagel gerissen, nun wandte er sich der Schweiz zu. Manche sehnten sich auch hier nach einer Revolution, andere wollten an der alten Ordnung festhalten.

Im Frühling 1798 rückte Napoleons General Balthasar von Schauenburg Richtung Bern vor. Seine Streitkräfte waren den hiesigen geradezu erdrückend überlegen. Die Berner Regierung dankte Anfang März ab, von Schauenburgs Truppen plünderten den Staatsschatz und brachten die Bären als Siegesbeute nach Paris. Fast überall lief es gleich ab. Der General eroberte die Schweiz ohne grösseren Widerstand, die Helvetische Republik wurde ausgerufen und dem Land eine zentrale Regierung verpasst. Diese tagte in der ersten Hauptstadt: Aarau. Im Aargau, der bis anhin ein Untertanengebiet Berns gewesen war, aber auch in der Waadt, wurde der Umsturz durchaus begrüsst, aber das war nicht überall der Fall. Uri, Schwyz und Nidwalden lehnten die von Frankreich diktierte Verfassung ab, bevor sie nach weiteren Gefechten zur Annahme gezwungen wurden. In Nidwalden allerdings gärte es weiter.

Handzeichnung der helvetischen Flagge, die zwischen 1798 und 1803 auf Schweizer Gebiet eingesetzt wurde.
Schweizerisches Nationalmuseum

Hier störte man sich am Fehlen Gottes in der Verfassung und an der Niederlassungs- und Religionsfreiheit. Die örtlichen Priester heizten die Stimmung zusätzlich auf. Schliesslich stellte die helvetische Regierung ein Ultimatum, welches die Nidwaldner verstreichen liessen. Also bat die Regierung von Schauenburg, einzugreifen. Am 9. September kam es zum Kampf. Eine heroische oder anders gesagt: eine sinnlose Schlacht. Denn die Nidwaldner waren dramatisch unterlegen. Beiderseits fanden an die 100 Männer den Tod. 300 weitere Menschen starben, als anschliessend Buochs und Stansstad zerstört und weitere Dörfer verwüstet wurden.

Die Nidwaldner hatten bis zuletzt auf eine Intervention Österreichs gehofft, aber dessen Armee marschierte erst im Oktober in Graubünden ein. Ein Jahr später attackierten auch die Truppen des russischen Generals Suworow die Franzosen. Es folgte ein zähes Hin und Her der Armeen, Leidtragende war die Schweizer Zivilbevölkerung. Und der Regierung gelang es nicht, die Not der Menschen zu lindern...

Der Elsässer Balthasar von Schauenburg war Napoleons verlängerter Arm in der Eidgenossenschaft.
numistral.fr

Die 100-teilige Serie im Zeitstrahl

Benedikt Meyer
Historiker Benedikt Meyer ist auf historische Reportagen spezialisiert. Er schreibt unter anderem für das Reisemagazin Transhelvetica.

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