Armbanduhren von Swatch.
Schweizerisches Nationalmuseum

Swatch

Die Schweizer Uhrenindustrie lag in den 1980er-Jahren auf dem «Sterbebett». Die Rettung kam mit Nicolas Hayek und seinen modischen Swatch-Uhren.

Es lag nicht nur an der Sommerzeit: Die Schweiz hatte verschlafen. Im Jurabogen tickten die Uhren zwar nicht langsamer, aber immer leiser. Angetrieben von einer Technologie, die aus der Mode gekommen war. Die Japaner, das musste auch Nicolas Hayek erkennen, die Japaner hatten die Schweiz kalt erwischt.

Dabei hatte die Horlogerie hierzulande eine lange Tradition. Seit dem 17. Jahrhundert wurden zunächst in Genf und später vermehrt im Jurabogen Uhren gefertigt. Nicht so gute wie in den Uhrmachermetropolen Paris oder London natürlich, aber immerhin. Dann brach in Frankreich die französische und in England die industrielle Revolution aus und die Schweiz avancierte zum Zentrum der Uhrmacherei. Diese war lange Zeit Heimarbeit. An dunklen Abenden und in langen Wintern fertigten die Bauern im Schein ihrer Öllampen Zeiger, Zahnräder, Schrauben und Gehäuse. Selbständig, in Eigenregie und mit der Zeit immer professioneller. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlagerte sich die Produktion in Fabriken. Manche wandten sich daraufhin dem Anarchismus zu, den Aufstieg der grossen Uhrenfirmen verhinderten sie aber nicht.

Uhren waren unerlässlich: sie schlugen den Takt der Industrialisierung, tickten die Rhythmen der Moderne. 1870 produzierte die Schweiz drei Viertel aller Uhren weltweit und die Uhrmacherei wurde zum Symbol: Pünktlich, genau, präzise hiess nun «schweizerisch».

Uhrmacher an Drehbank bei Patek Philippe & Cie, circa 1950.
Schweizerisches Nationalmuseum

Allerdings: Krisen begünstigten in den 1920er- und 1930er-Jahren die Bildung von Kartellen und diese bewirkten, dass die Uhrmacher bequem wurden. 1967 wurde in Neuenburg die erste Quarzarmbanduhr entwickelt. In der Folge wurden aber bloss einige tausend Stück produziert. Ganz anders in Japan: dort produzierte Seiko bald Millionen von Quarzuhren mit Display und Digitalanzeige. Im Jurabogen gingen daraufhin die Fabriken zu. Rund zwei Drittel der 90'000 Arbeitsplätze in der Schweizer Uhrenbranche gingen verloren. Die Tage der Uhrmacherei schienen gezählt und die Krise nagte am Schweizer Selbstverständnis.

Nicolas Hayek kämpfte sich in den 1980er-Jahren mit seinen Swatch-Uhren zurück ins internationale Geschäft.
Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Dokumentarfilm über die Rettung der Schweizer Uhrenindustrie.
YouTube / SRF

Die Rettung war klein, rund und hatte eine grosse Nase. Nicolas Hayek war als Berater beigezogen worden, investierte aber bald selbst und war 1983 massgeblich beteiligt an der Fusion der SSIH und Asuag zur späteren Swatch-Group. Hayek sorgte für eine billigere Produktion, aber wirklich entscheidend war das Marketing. Swatch lancierte poppige Plastikuhren, die Kinderuhr Flik-Flak sowie viele weitere, rasch wechselnden Moden unterworfene Modelle. Und sie setzte auf den Begriff «Swiss Made», für den der Bund 1971 genaue Definitionen erlassen hatte.

Damit gelang es, die Uhr der Zeit anzupassen. Stück für Stück kämpften sich die Schweizer Uhrmacher zurück und sorgten so dafür, dass die Schweizer Uhren – vielleicht mit Ausnahme jener eines Berner Liedermachers – nicht stehenblieben.

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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

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2 Kommentare

Monika Leonhardt sagt:

Danke für den Artikel. Also ehrlich gesagt würde ich folgenden Satz streichen „Nicht so gute wie in den Uhrmachermetropolen Paris oder London natürlich, aber immerhin.“ Insbesondere in Frankreich betrug die Uhrenproduktion einen Bruchteil derjenigen von Genf, es gäbe auch noch einiges zu sagen zur Rolle von Schweizer Uhrmachern in Paris und London. Die Uhren aus Genf hatten bereits im 17. und 18. Jahrhundert einen ausgezeichneten Ruf, wofür es zahlreiche Belege gibt, darunter der berühmteste von Jean-Jacques Rousseau in seinem Brief an Jean le Rond d’Alembert von 1758.